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Dienstag, 20. Dezember 2016

BREITSCHEIDPLATZ, 19. DEZEMBER 2016 

Wenn einer dem Terror trotzen kann, dann
Berlin, Sehnsuchtsort so vieler Menschen.
Diese Ideologie-Idiotie, die gestern Abend den Breitscheidplatz als Bühne missbrauchte um ihre Unmenschlichkeit zu zelebrieren, hat sich den falschen Gegner ausgesucht: Berlin.

Berlin ist nicht bloß eine Stadt. Berlin ist ein Versprechen. Ein Versprechen auf eine bessere Zukunft. Berlin ist Sehnsuchtsort für Junge und Kreative, für Verfolgte und Diskriminierte, für Träumer und Spinner.

In den letzten zwei, drei Jahren habe ich hier Menschen aus wohl allen anderen Bundesländern sowie Afghanistan, China, Griechenland, Israel, Italien, Niederlande, Nigeria, Norwegen, Russland, Schweden, Singapur, Ungarn, USA und Vietnam (plus wahrscheinlich noch ein paar mehr) kennen gelernt, die ich nicht missen möchte. Sie alle hatten unterschiedlichste Gründe, ihre Heimat zu verlassen. Aber eines haben alle gemeinsam. Ziel ihrer Reise war Berlin.

Unmenschen wie Adolf Hitler haben die Stadt immer verachtet. Im „roten Berlin“ konnten die Nazis bei freien Wahlen nie eine Mehrheit erringen. Nicht zuletzt darum fühlte sich Hitler hier nie heimisch. So war er beispielsweise bis zu seinem Ende polizeilich in München gemeldet. (Und nein, dies lag nicht daran, dass er auf die Schnelle keinen Termin beim Bürgeramt bekam.)

Auch die DDR-Führungsclique um Erich Honecker zog es vor, sich lieber in Wandlitz vor dem gemeinen Volk zu verstecken. Vor den Toren der „Hauptstadt der DDR“ konnten Erich & Co. in aller Abgeschiedenheit ihren sozialistischen Biedermeier genießen.

In den Augen von islamistischen Steinzeitterroristen – aber auch in denen von rechtsnationalistischen Pegidas – muss das heutige Berlin wie eine blanke Provokation wirken. Freie Liebe und billige Drogen, laute Musik und lange Hipsterbärte, Start-Upperinnen und schwule Daddys, Israelis knutschende Palästinenser und muslimische CDU-Parlamentarier – im Zweifel von allem lieber mehr als zu wenig.

Trotz Weltkriege, Zerstörung und Teilung hat Berlin sich nie aufgegeben. Dieser spezielle Atem, dieser Lebensrhythmus der Stadt folgt einem ganz eigenen Takt. Den lassen wir Berliner uns – egal ob Eingeborene oder aus JWDistan Zugereiste – nicht so einfach nehmen.

Wir haben unsere eigenen Waffen: Schnauze und Herz. Und wir haben Heimvorteil, wa?!


tl;dr: Wir Berliner lassen uns unser Leben nicht nehmen – vor allem nicht von Terroristen.

Sonntag, 25. Mai 2014

TEMPELHOFER FELD 

Ich sage NEIN und JA zu 4.700
neuen Wohnungen mitten in Berlin.
Ein paar Mal war ich nach Schließung des Flughafens auf dem Tempelhofer Feld. Diese Oase mitten in der Stadt ist sehr angenehm und wohl einzigartig in der Welt. Diese möchte ich auch erhalten wissen – zumindest zum großen Teil.

Leider finden sich keine Zahlen, wie viele Berliner diese Fläche wirklich nutzen. Wenn ich dort war, waren es sicherlich immer mehr als einhundert gleichzeitig. Aber eine Mehrheit der Berliner nutzt das Feld nicht.

Eindeutiger ist die Sache, wenn man sich überlegt, wer von der heute abzustimmenden sogenannten Randbebauung profitieren würde: Alle Berliner.

In Umfragen liegen bezahlbare Mieten in der Hitliste der drängendsten Probleme der Berliner (hinter dem BER-Desaster) seit Jahren ganz vorne. Schlagworte wie Gentrifizierung, Luxussanierung, Ferienwohnungen etc. haben vor allem mit zwei Phänomenen zu tun:

1. Berlin ist sexy. Immer mehr Menschen wollen in Berlin wohnen. Rechnet man die immer kleiner werdenden Haushalte (Trend zu Single-Haushalten) hinzu, ist klar: Die Nachfrage nach Wohnraum steigt und steigt.

2. In der Mietenpolitik hat Berlin im letzten Jahrzehnt vieles falsch gemacht. Freistehende Wohnungen in unbeliebten Kiezen wie Marzahn wurden zurückgebaut. Förderungen für Sozialwohnungen meist nicht verlängert. (Dies übrigens unter einem rot-roten Senat; ich will aber nicht ablenken.) Beides befeuerte den Mietspiegel. Dieser ist Grundlage, um wie viel Vermieter ihre Wohnungen teurer machen können.

Dass wir heute in Top-Lagen die gleichen Preise wie in den traditionell kostenintensiven Städten Hamburg und München aufrufen, ist eigentlich unmöglich. Wirtschaftlich hängen wir hinter diesen Orten so weit hinterher, dass man sich die Preise ohne einen ordentlichen Spekulationsaufschlag nicht erklären kann.

Lasst uns also das Angebot an verfügbarem Wohnraum deutlich steigern! So nehmen wir denjenigen den Wind aus den Segeln, die von der stärker gewordenen Nachfrage profitieren. Dazu gehört übrigens eine der engagiertesten Tempelhof-Aktivistinnen. Diese vermietet laut dem „Berliner Tagesspiegel“ früher privat genutzte Wohnungen als Ferienwohnungen – und hat aus finanziellen Gründen logischerweise wenig Interesse an der Randbebauung.

Wir reden von Montag bis Samstag von bezahlbaren Mieten für alle Berlinerinnen und Berliner. Und am Wahlsonntag (ergo heute) stimmen wir gegen ein gigantisches Projekt, dass uns dabei helfen wird, dieses Ziel zu erreichen?

Ich kann wirklich nicht verstehen, warum die Initiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“ so kompromisslos ist. Nur ein kleiner Teil der riesigen Fläche soll nach den Plänen des Senats und des Abgeordnetenhauses bebaut werden. Über was wir reden, zeigt eine Infografik der „Berliner Morgenpost“ eindrucksvoll.

Wir haben heute also die Wahl: 4.700 neue Wohnungen oder 0 neue Wohnungen. Wofür ich mich da entscheide, ist klar. Ich stimme heute bei Frage 1 mit NEIN und bei Frage 2 mit JA.


Nachtrag: Mein Freund Christian sieht das anders. Ist aber auch okay! (:



tl;dr: Beim heutigen Volksentscheid steht nicht nur die Zukunft des Tempelhofer Feldes auf dem Spiel, sondern auch die Höhe der Mieten in Berlin. Deshalb stimme ich für eine maßvolle Randbebauung.



Freitag, 10. Januar 2014

REISEBERICHT 

Siege in der Heimat sind
 für mich Auswärtssiege. 
Groundhopping als Tag für diesen Text ist natürlich etwas übertrieben. Von mir Zuhause bis ins Berliner Olympiastadion sind es ja nur 45 bis 60 Minuten mit der S-Bahn. Und dennoch ist es ein Auswärtsspiel meines Vereins – wenn auch in meiner Stadt.

Nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft und dem Titel in der Champions League eine Woche zuvor waren am 1. Juni 2013 alle im Verein und deren Unterstützer heiß auf das Triple.

Nun ging es also im DFB-Pokalfinale gegen die wackeren Außenseiter vom VfB Stuttgart. Durch Tore von Thomas Müller (37., FE) und Mario Gómez (48. und 61.) schien lange Zeit alles glatt zu laufen, bis in der Endphase der VfB mittels zweier Harnik-Treffer (71. und 80.) doch noch einmal Spannung ins Spiel brachte. Dabei bleib es dann dabei aber auch.

3:2 ist für Münchner Verhältnisse in diesem überragendem Jahr fast schon ein enttäuschendes Ergebnis. Aber da in einem Finale ja nur Sieg oder Niederlage zählen, ist das dann auch zweitrangig. Es schien in dieser wunderbaren Berliner Nacht sowieso weniger der Triumph im DFB-Pokal an sich zu zählen, als das historische Triple.

Ein Triple, also der Gewinn von nationaler Meisterschaft, dem nationalen Pokalwettbewerb und dem Europacup der Landesmeister (bis 1992/1992) bzw. der UEFA Champions League (ab 1992/1993), hatte es zuvor in der europäischen Fußballgeschichte bei den Männern erst sechsmal gegeben.

1966/67Celtic Glasgow (Schottland)
1971/72Ajax Amsterdam (Niederlande)
1987/88PSV Eindhoven (Niederlande)
1998/99Manchester United (England)
2008/09FC Barcelona (Spanien)
2009/10Inter Mailand (Italien)

Interessanter Nebenaspekt: Auch wenn es das erste Triple für die Münchener war, bei den letzten drei (!) Triple-Gewinnern spielten sie eine wichtige Rolle. Denn Manchester und Mailand gewannen ihr Finale jeweils gegen den FC Bayern, Barcelona schaltete sie im Viertelfinale aus.

Hier nun noch ein paar Ausschnitte vom Einlauf der Teams, dem 1:0 durch Thomas Müller per Elfmeter genau vor meiner Nase und der Schluss-Zeremonie mit Konfetti.



Ein paar Bilder habe ich wieder bei flickr (Direktlink) reingestellt.


Sonntag, 3. November 2013


Unbeliebt, aber notwendig:
Vattenfall steht zur Wahl.

(Foto: Berliner Energietisch)

Heute ist Volksentscheid in Berlin. Egal mit wem ich in den letzten Tagen drüber geredet hatte, fast jeder Wahlberechtigte war ratlos: Hingehen? Mit Ja stimmen? Ablehnen?

Worum es geht: Der Berliner Energietisch, ein Bündnis von rund 50 Initiativen, fordert den Senat auf, das Stromnetz vom Vattenfall-Konzern zurückzukaufen und in Eigenregie künftig den Strom für die 3,4 Millionen Hauptstädter herzustellen.

Mein Pro: Die Vorstellung, dass nicht ein schwedischer Konzern, sondern alle Berliner von den Millionen-Gewinnen aus den Energie-Geschäften profitieren, klingt faszinierend. Mehr Transparenz, mehr ökologischen Strom – prima Argumente.

Mein Contra: Berlin ist quasi pleite, wird nur noch vom Länderfinanzausgleich und dem Wohlwollen des Bundes am Leben erhalten. Jetzt die Rekommunalisierung zu fordern, ist absurd. Und vor allem: Dass der Staat das Netz besser betreibt als ein daraufn spezialisiertes Unternehmen, glaube ich nicht. Vielleicht in einer Traumwelt, aber nicht in Berlin. Hallo, das ist die Stadt, die seit zwei Jahrzehnten einen Flughafen baut plant!

Die Frage nach dem Quorum: Viele denken, wer gegen den Rückkauf ist, sollte am besten Zuhause bleiben, damit das Quorum verfehlt wird. Das ist aber eine grundfalsche Annahme. Das Quorum bezieht sich nämlich nur auf die Ja-Stimmen. Damit der Entscheid angenommen wird, müssen 620.000 Berliner mit Ja stimmen. Diese etwa 25 Prozent der Wahlberechtigten müssen dann natürlich auch die Mehrheit der abgegebenen Stimmen sein. Wer also gegen den Entscheid ist, sollte auf alle Fälle hingehen – um ganz sicher zu gehen. Eine Enthaltung ist keine automatische Ablehnung.

Warum ich hingehe: Ich bin bisher zu jeder Wahl und jeder Abstimmung in meinem Leben hingegangen. Das ist für mich oberste Bürgerpflicht. In den letzten Tagen habe ich mich in die Thematik eingelesen. Wirklich überzeugt haben mich beide Standpunkte nicht, ich stimme daher eher aus Gefühl ab. Und das Gefühl sagt mir: Nein, Klaus Wowereit wird die Energiekosten mit Sicherheit nicht für alle bezahlbar halten.


tl;dr: Heute ist Volksentscheid. Die Berliner stimmen darüber ab, ob das Energienetz von Vattenfall zurückgekauft wird. Warum ich dagegen bin, aber trotzdem hingehe.


Donnerstag, 15. August 2013


Schönstes Wahlplakat des Jahres: Zeigen, wo es lang geht.
Im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf bewirbt sich Karl-Georg Wellmann von der CDU um das Direktmandat für den Deutschen Bundestag. Wie man hört liest sind seine Aussichten ganz ordentlich, seine Bilanz wird selbst vom politischen Gegner kaum kritisiert.

Und dennoch hat er sich den Fauxpas des bisherigen Wahlkampfes geleistet. Wellmann streckt dem Wähler auf seinen Plakaten den Mittelfinger entgegen.

Oben lächelt der Kandidat, unten erinnert die URL an den Internetauftritt, rechts wird „Für Steglitz-Zehlendorf“ geworben, doch links obszöniert der Stinkefinger.


Alle, denen ich dieses Plakat gezeigt habe, reagierten belustigt und (!) fassungslos. Wie kann so etwas passieren? Ich wage einen Erklärungsversuch.

Wahlkampfteams sind exklusive Zirkel. Zwar benötigt jede Partei und jeder Kandidat ein möglichst großes Heer an ehrenamtlich Aktiven (Applaus dafür!), den Kreis der wirklichen Entscheider kann man aber an einer Hand abzählen.

Ob es um die Kandidatenhomepage, den Wahlkampfflyer oder das Plakatmotiv geht, zu Gesicht bekommt das Gros der Wahlkampfhelfer die
Werbemittelchen erst, wenn es zu spät ist.

In der typischen Wahlkampfrunde für das Kandidatenportrait hat man etwa zehn Motive zur Auswahl. Lange wird um das richtige Bild, den korrekten Bildausschnitt und natürlich den schlagkräftigsten Slogan gerungen. Erfahrungsgemäß steht aber nur eines im Mittelpunkt: der bestmöglichstsympathischste Gesichtsausdruck, mit dem man den Wähler zu überzeugen hofft.

Ich kritisiere das nicht, das kann man so machen. So entstehen aber diese eigentlich unverzeihlichen Fehler.


Man es auch anders, besser machen. Nur zwei Beispiele: In den Wahlkampfwikis der Piratenpartei konnten die Mitglieder über Entwürfe diskutieren und sogar eigene Vorschläge hochladen. Die junge CSU-Kandidatin Katrin Albsteiger lies über ihre beiden finalen Plakat-Entwürfe auf Facebook abstimmen.

Beide Wege garantieren, dass ein Stinkefinger-Lapsus so nicht passiert. Beide Wege motivieren darüberhinaus die eigene Anhängerschaft ungemein. Wenn ich das Plakat aufhänge, an dem ich mit gearbeitet habe, über das ich mit entscheiden konnte, macht die ehrenamtliche Arbeit gleich doppelt Spaß.

Viele Menschen sind heute nicht mehr bereit sich langfristig an eine Partei (beliebig ersetzbar: eine Kirche, eine Gewerkschaft, einen Lebenspartner, eine Automarke, etc.) zu binden. Punktuell wollen sie aber mitmachen, mit entscheiden. Das kann man doof finden. Oder aber man öffnet sich dieser stark wachsenden Gruppe.

Letztendlich bedeutet dies Macht- und Kontrollverlust. Nicht mehr ich oder wir wenige bestimmen, sondern viele. Dass dieser Weg zu mehr Transparenz aber alternativlos ist, zeigt sich ganz aktuell im Süden Berlins. Und nicht nur hier, sondern auch hier, hier, hier, hier und hier.


tl;dr: Der Stinkefinger von Steglitz-Zehlendorf ist ist nur vordergündig ein Thema aus der Rubrik Wahlkampf. Eigentlich geht's um Macht und Transparenz. Ein Erklärungsversuch.


Dienstag, 6. August 2013

DER GROßE MATE-TEST 

Es muss nicht immer Club-Mate sein. Die Versuchskaninchen, hübsch drapiert. 

Den wärmsten Tag des Jahres sich literweise erfrischende Mate reinziehen. Ist nur ein Traum? Mitnichten! Am Sonntag (28. Juli) habe ich mich mit Anja, Pauline und Lorenz zum großen Mate-Test getroffen. Im Weinbergspark haben wir elf verschiedene Mate-Tees gesoffen verköstigt – bis die Maus kam.

Leider hat dieser Text eine Woche länger gedauert als angekündigt. Zu viel Stress im Beruf, zu heißes Wetter und vor allem eine nahezu schlaflose Nacht nach dem Test und vor meiner Hammer-Arbeitswoche waren Schuld. Also, liebe Kinder, wenn ihr in den nächsten Tagen viel zu tun habt: Nicht nachmachen!

Zunächst gibt's eine Übersicht der getesteten Getränke. Elf verschiedene Mate-Tees konnten wir am Vortag besorgen. Wir wissen, es gibt noch andere Produkte, diese waren aber entweder ausverkauft oder in den umliegenden Märkten gar nicht gelistet. Wer also Bock hat, beispielsweise
  • Club-Mate Granat
  • Club-Mate Winter-Edition
  • Mate Tee Guarana
  • Mate Tee Figur Fit
  • Top Mate Strong Edition
  • Top Mate Ice Tea
  • Top Mate Alternativ Cola oder
  • Buenos Lapacho - Finest Ice Tea
zu testen, kann mir ruhig seine Erfahrungen schicken. Ich bin gespannt!


Fast wissenschaftlich haben wir die Mate-Tees in elf verschiedenen Kategorien auf Herz und Nieren getestet. Uns war nicht nur der bloße Geschmack wichtig, nein auch die Farbe oder der Prickel-Faktor sollten unsere Beachtung finden. Jeder von uns Testern konnte eine Note zwischen 1 (eklig) und 5 (dufte) vergeben. Der Mittelwert wurde dann auf volle oder halbe Zahlen gerundet. Die Addition dieser Punkte ergibt das Gesamtergebnis.

Was ziemlich spannend ist: Die originale Club-Mate riecht scheußlich. Mir ist das nie aufgefallen, aber als wir unsere Näschen in den Flaschenkopf und unsere Becher hielten, waren wir ob des Geruchs doch sehr überrascht. Daraus entwickelte ich eine Theorie, warum vielen die Club-Mate erstmal nicht schmeckt. Wahrscheinlich verlassen wir uns beim ersten Probieren unbewusst zu sehr auf unsere Nase. Erst wenn wir die Mate mehrfach konsumieren, hat sich unser Gehirn an den Duft gewöhnt. Dann treten die wahren Vorzüge in den Vordergrund und wir können Club-Mate ganz ohne störenden Nebengerüche genießen. Klingt nicht unlogisch, oder?

Zwei Eis-Tees, zwei Cola-Mischgetränke, ein richtiger Tee (leicht gekühlt) und sechs mehr oder weniger originale Mate-Getränke wurden also bewertet. Hier nun das mit Spannung erwartete Ergebnis:


Kaufen & saufen!
Unser Testsieger. 
Fazit: Die einzige Bio- und Fairtrade-Marke im Wettbewerb, die ChariTea Mate, ist unser Testsieger. Nahezu gleichauf folgen die Buenos Mate - Finest Ice Tea und die BioZisch Mate. Jede der drei Getränke hat ihre Stärken und kaum Schwächen. Mit allen kommt man sehr gut durch den heißen Sommer, aufregende Partynächte oder anstrenge Arbeitssitzungen.

Gute Mittelfeldplätze nehmen die Mio Mio Mate und der Platzhirsch Club-Mate ein. Beide bekommen im Vergleich zum Spitzentrio allerdings kleinere Minuspunkte, mit denen man durchaus leben kann.

Die nächste Gruppe führen die Cola-Mischgetränke an: Mate-Cola vor Club-Mate Cola sowie Club-Mate IceTea Kraftstoff vor Top Mate. Eine Kaufempfehlung gibt's von uns nicht. Diese vier konnten nicht recht überzeugen, wenn auch alle einen guten Wach-Mach-Faktor besitzen.

Von Rio Mate - strong - und Mate Tee Grün solltet ihr besser euren Oesophagus schützen. Es sei denn, ihr steht auf eingeschlafene Füße. Beide Produkte könnte man besser als Medizin verkaufen, daran erinnern sie nämlich entfernt. Sexy schmeckt anders.

Der ganze Test war ein großer Spaß. Knapp dreieinhalb Liter Mate am Stück zu trinken aber auch große eine Herausforderung. Anja schwört heute Stein und Bein, nie wieder Mate zu trinken. Ich selbst brauchte ein paar Tage, bis ich mich der Reste im Kühlschrank annehmen wollte. Ohja doch: Schmeckt mir immer noch.

Achso: Meine innere Rechtsabteilung drängt mich noch darauf hinzuweisen, dass alle Ergebnisse freilich nur subjektiv sind.

Ein besonderer Dank gilt dem großen @dembowskibvb für die Headline-Idee und dem Nola's am Weinberg für die Erledigung kleiner menschlicher Bedürfnisse während des Tests.


tl;dr: 4 Personen, 4 Stunden, 11 verschiedene Mate-Getränke, 11 Kategorien, 1 schlaflose Nacht, 1 Testsieger: Der große MateTest fand einen würdigen Sieger.


Sonntag, 30. Juni 2013


Kraft statt Steinbrück?
(Foto: hannelore-kraft.de) 
Seit Wochen mache ich mir Gedanken um die alte Tante Es-Pe-De. Das Werberherz in mir fühlt sich ob der deprimierenden Umfragewerte herausgefordert: Was müsste man im Willy-Brandt-Haus jetzt tun, um das Ruder noch herumzureißen oder zumindest den Abstand auf die Union erträglicher zu gestalten? Egal welche Strategie-Idee mir einfällt, sofort gibt’s immer ein Gegenargument: Peer Steinbrück. Deshalb hilft wohl nur eins. Austausch des Kanzlerkandidaten. Jetzt. Sofort.

Wie ist die Ausgangslage?

Die Lage der SPD ist hoffnungslos. Das sagen – hinter vorgehaltener Hand – mittlerweile auch SPD-Wahlkämpfer. Zu gut ist die wirtschaftliche Lage unseres Landes, zu mies das Auftreten von Peer Steinbrück, zu gut die persönlichen Werte von Angela Merkel, zu mies die Aussichten, noch überhaupt ein Thema zu finden, das die Kanzlerin nicht handstreichartig okkupiert.

Kann Steinbrück nicht wie Gerhard Schröder 2002 und 2005 noch aufholen?

Hihi, was für eine blöde Frage. Dazu bräuchte Steinbrück den Amtsbonus. Als Oppositionsführer hat er nicht die Chance, Themen so einfach wie ein Regierungschef zu setzen. Noch schlimmer: Bis heute fehlt ihm eine durchschlagende Botschaft. Das wird in der Sommerpause auch nix mehr werden.

War Steinbrück der falsche Kandidat?

Natürlich. Das war eigentlich immer schon klar. Die Wähler, die die SPD bei den letzten beiden Bundestagswahlen ins Lager der Nichtwähler verloren hatte, sind eher links eingestellt. Einem wirtschaftsliberalen Kandidaten wie Steinbrück wird es nicht gelingen, diese wieder einzufangen. Parteichef Sigmar Gabriel oder NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hätten dagegen mit dezidiert linker Rhetorik auf diese Wählerschichten zugehen können. Dem Millionär und Ex-Finanzminister Steinbrück aber würde man beispielsweise ein Wettern gegen die Bankenrettung niemals abnehmen.

Wäre ein Kanzlerkandidaten-Austausch glaubwürdig?

Schwierig. Aber was hat die SPD noch zu verlieren? Eine wochenlange Diskussion, ob man Steinbrück auswechseln sollte, wäre natürlich verheerend. Wenn, dann müsste es ganz schnell gehen. Rücktritt – begründet eventuell mit gesundheitlichen Problemen – und sofortiger Ruf nach Hannelore Kraft.

Warum Hannelore Kraft?

Mit fällt beim besten Willen kein anderer Kandidat ein, der diesen Job machen könnte. Sie wirkt sympathisch und unprätentiös (zumindest sind mir keine Allüren bekannt), hat schon Wahlen gewonnen (im Gegensatz zu Gabriel, Steinmeier und Steinbrück) und ist noch immer recht unbekannt auf der bundespolitischen Bühne – ein echter Vorteil. Kraft würde das Neue verkörpern – in der SPD und im Wahlkampf 2013.

Wie würden die Medien reagieren?

Für die Journalisten ist dieser Wahlkampf eine Katastrophe. Steht mit Merkel die Wahlgewinnerin quasi fest, verkaufen sich politische Titel kaum. Dramatische Rücktrittsszenen um den gefallenen Kanzlerkandidaten und die Inthronisierung einer frischen Ministerpräsidentin aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland – das wäre der Stoff, nach dem sich viele Hauptstadtjournalisten die Finger lecken (würden). Ein Duell Frau gegen Frau hat es in der bundesrepublikanischen Geschichte noch nie gegeben. Programmatisch würde sich die SPD sicherlich wenig ändern, aber mit Homestorys und anderen menschelnden Berichten könnte Kraft zumindest in puncto Sympathie Steinbrück schnell vergessen machen.

Hat Kraft nicht deutlich erklärt, in Düsseldorf bleiben zu wollen?

Das Thema wird in wenigen Tagen durch sein. Wird der Ruf inner- und außerhalb der SPD nach ihr groß, wird sie argumentieren, sie habe sich nicht selbst ins Spiel gebracht und müsse ihrer Partei in dieser Situation helfen. Überhaupt wird das Thema außerhalb NRWs nicht groß debattiert werden. Und: Seit Konrad Adenauer hat es keinen Nordrhein-Westfalen mehr im Amt des Bundeskanzlers gegeben. Ich denke eher, dass die Menschen an Rhein und Ruhr stolz wären, wenn eine von ihnen nach dem höchsten politischen Amte im Staate greift.

Wofür steht Hannelore Kraft?

Da wird es richtig interessant. Nach ihrer ersten Wahl in NRW regierte sie ein knappes Jahr mit einer Minderheitsregierung, ihrer sogenannten Koalition der Einladung. Sie stützte sich ausdrücklich auch auf die Linkspartei im Landtag. Sollten die Mehrheitsverhältnisse nach dem 22. September keine klare Mehrheit im Bundestag zulassen, würde Hannelore Kraft – zur Freude der SPD-Linken – auch hier einen rot-rot-grünen Flirt wagen. Wetten, dass?!

Ist ein Austausch des Kanzlerkandidaten überhaupt noch rechtlich möglich?

Klar, theoretisch sogar noch am Wahltag. Der Kanzlerkandidat ist eine reine Parteien- und Medienerfindung, um den Wahlkampf zu personalisieren. Hannelore Kraft könnte zwar nicht mehr in den Bundestag einziehen (weil die Kandidatenaufstellung der SPD in NRW bereits durch ist), jedoch von diesem zur Kanzlerin gewählt werden. Im Gegensatz zum NRW-Landesparlament muss der Regierungschef nämlich gar nicht Bundestagsmitglied sein.

Und wie realistisch ist das Szenario Kraft für Steinbrück?

Nicht sehr wahrscheinlich, in der Tat. Aber die rennen sehenden Auges in die Wahlkatastrophe. Ob SPD-Chef Gabriel und die vielen Kandidaten in den Wahlkreisen, die um ihr Mandat bangen, sich das alles weiterhin nur stoisch anschauen?


tl;dr: Es gibt für die SPD nur noch eine Chance, die Bundestagswahl nicht völlig in den Sand zu setzen. Der heißt: Kraft statt Steinbrück.


Montag, 20. Mai 2013

BUNDESLIGA-AUFSTIEG 

Ich war gestern (Sonntag) bei der Hertha. Letztes Saisonspiel, Meisterfeier, die Wetterprognose war gut und ich hatte Zeit – warum also nicht?

Eigentlich wollte ich während des Spiels ein paar Eindrücke twittern, aber die deutschen Mobilfunkfirmen bekommen das mit der Netzabdeckung bei Großveranstaltungen ja immer noch nicht hin. Großes Buhh! Daher hier nun Notizen aus dem Olympiastadion.

1. Zunächst: Glückwunsch. Hertha BSC wird wohl niemals mein Verein, aber die Saisonleistung erkenne ich natürlich neidlos an. Vor zwei Jahren hatte ich mit einem Durchmarsch zurück in Liga 1 gerechnet, diesmal hatte ich die Berliner nachweislich nicht auf dem Zettel.

2. Das Wetter war grandios. Nach mehr als zwei Stunden in der prallen Sonne habe ich meinen alten Bekannten, den Sonnenbrand, wiederentdeckt. Dass genau jetzt, da das Wetter endlich wieder Spaß macht, die fußballlose Sommerpause beginnt, ist furchtbar. Es gibt keine bessere Jahreszeit als den Sommer, um Fußball im Stadion zu gucken. Ist der Winter so extrem wie dieses Jahr, friere ich bei Zweidrittel aller Saisonspiele. Es wird Zeit, dass DFB/UEFA/FIFA die Spielpläne umstellen: durchgehende Saison von März bis Oktober!

3. Vor zwei Jahren hatte Hertha am letzten Spieltag auch ein Heimspiel und konnte mit den eigenen Fans die Zweitliga-Meisterschaft feiern. Damals war das Olympiastadion ausverkauft. Logisch: Meister, letztes Heimspiel, tolles Wetter. Da ist jedes Stadion in jeder Stadt in jeder Liga ausverkauft. Nur nicht gestern. Da verirrten sich „nur“ 63.267 Zuschauer ins weite Rund. Ein klarer Gradmesser, wie das Image des Hauptstadtvereins in den letzten zwei Jahren nach dem erneuten Abstieg, absurder Personalpolitik (Favre! Slomka! Skibbe! Rehhagel!) und dem Relegations-Theater mit Fortuna Düsseldorf gelitten hat.

4. Trotz des nicht ausverkauften Stadions war die Stimmung auf den Rängen gut, ich behaupte sogar erstligareif. Singen und rufen 60.000 Kehlen unentwegt, wird der Nachteil des nicht reinen Fußballstadions aufgewogen. Respekt!

5. Was von den Rängen skandiert wurde, will muss ich aber doch kritisieren. Ein Großteil der Gesänge richtete sich gegen Cottbus. Sogar eine riesiges Banner („Macht's gut ihr Trottel!“) wurde zum Ende des Spiels aufgezogen. Okay, es gibt eine lokale Rivalität zu Cottbus, aber warum können sich die Berliner nicht einfach über ihre Mannschaft, ihren Aufstieg freuen? Man muss nicht nur gut verlieren, man muss auch gut gewinnen können. Hertha hätte sich Sympathien erspielen können. Schon einmal was von Demut gehört? (Ich weiß, das klingt aus den Fingern eines Bayern-Anhängers komisch. Macht's aber damit trotzdem nicht falsch.)

6. Apropos Aufstieg 2011: Der Trainer beim damaligen Gegner und Mitaufsteiger FC Augsburg war ein gewisser Jos Luhukay. Der sitzt nun bei Hertha hoffentlich fest(er) im Sattel. Was er geleistet hat, verdient Anerkennung. Hier hat Manager Michael Preetz offenbar ein glückliches Händchen bewiesen.

7. Bei der Zweitliga-Meisterehrung wurden die Spieler und Team-Verantwortlichen alle einzeln durch den Stadionsprecher erwähnt und gefeiert. Nur der auch in Fankreisen hoch umstrittene Manager Michael Preetz nicht. Zufall? Absicht?

8. Zur Artikel-Überschrift: Der alte Hertha-Ohrwurm (hier auf YouTube) ist einfach klasse. Um Längen besser als alles, was es beim Stern des Südens gibt. Da schunkel sogar ich im Oly mit. (Ich wollte ja ein versöhnlichen Abschluss des Textes hinbekommen.) 


tl;dr: Notizen zu Hertha BSC und dem Aufstieg. Von einem Berliner, der die Hertha nicht so wirklich mag.


Donnerstag, 9. Mai 2013

ALLE AB-BAHNHÖFE AN 1 TAG 
Der große S-Bahn-Test 

Mit meinem Freund und Kollegen Frank werde ich heute (Freitag, 10. Mai) ein wahnsinniges Experiment wagen: Wir wollen alle S-Bahnhöfe in Berlin anfahren. Das weitläufige Streckennetz der Berliner S-Bahn GmbH wird uns an Orte bringen, die zuvor noch nie ein Mensch gesehen hat. Naja, zumindest nicht alle Orte in einem Zug.

Spandau (S-Bahnlinie 5), Wannsee (S1, S7), Lichterfelde Süd (S25), Lichtenrade (S2), Grünau (S8, S85), Grünbergallee (S45, S9), Spindlersfeld (S47), Heiligensee (S25), Frohnau (S1), Buch (S2), Wilhelmshagen (S3), Mahlsdorf (S5), Ahrensfelde (S7) und Wartenberg (S75) sind die extremen Ausläufer des in den letzten Jahren tief in der Krise steckenden Verkehrsmittels. Wir machen den Test: Ist die Berliner Stadtschnellbahn wirklich so mies wie ihr Ruf?

Ein bisschen Sorge macht uns die Streckensperrung rund um den Nöldnerplatz (S5, S7, S75). Da wir wirklich alle Stationen besuchen wollen, werden wir wohl oder übel auf den ach so beliebten SEV, den Schienenersatzverkehr, ausweichen. Aber wir sind optimistisch!

Das Tolle an der Aktion: Du kannst mitmachen! Wir freuen uns über jeden Mitfahrer, der uns auf einem der Abschnitte begleiten wird. Den Routenplan haben wir ausgearbeitet, aktuelle Informationen über Verspätungen oder Änderungen kannst du am besten über Twitter verfolgen. Dafür haben wir einen eigenen Account angelegtwww.twitter.com/ABBahnhoefe1Tag.


Noch einige kurze Infos:
  • Los geht es ab 9.06 Uhr am Bahnhof Berlin-Friedrichstraße, Endpunkt ist ebenda um voraussichtlich 21.02 Uhr.
  • Aufgrund von verpassten Anschlüssen oder menschlichen Bedürfnissen, kann sich der Fahrplan verändern. Am besten vorher immer bei Twitter nachschauen.
  • Vielleicht legen wir auch eine längere Pause ein, wenn du uns die beste Eisdiele Berlins entlang der Fahrstrecke verrätst.
  • Wir fahren nur die Bahnhöfe an, die wirklich in Berlin liegen, also den AB-Bereich.
  • Über Essen- und Getränkespenden von Mitfahrern freuen wir uns natürlich. Sei kreativ.
  • Eine andere S-Bahn-Aktion hatte ich – lang ist's her – am 5. August 2010 gemacht: Öffentliche Pressekonferenz in der RingbahnErinnert sich noch jemand?
  • Über die Hintergründe dieser aktuellen Aktion hatte Frank schon vor einigen Tagen ausführlich gebloggt.

Unser Fahrplan:


tl;dr: Alle S-Bahnhöfe Berlins an einem Tag? Frank und ich versuchen es am Freitag. Fahre mit und/oder folge uns auf Twitter: @ABBahnhoefe1Tag.


Samstag, 23. März 2013

BASKETBALL-POKAL 

Alba, Artland, Bayern oder Ulm?
Heute und morgen findet in der Berliner o2-World das Final4 im BBL-Pokal statt. Mit Alba Berlin, dem FC Bayern München Basketball, den Artland Dragons und ratiopharm Ulm bewerben sich vier Topteams um den zweithöchsten deutschen Titel.

Modus/Spielplan: Zunächst treffen heute (Samstag) um 17:15 Uhr ratiopharm Ulm und Artland Dragons aufeinander. Im zweiten Halbfinale spielen im Anschluss um 20:00 Uhr Alba Berlin und Bayern München. Morgen gibt's um 12:15 Uhr das Spiel der Verlierer um die goldene Ananas (Spiel um Platz drei). Ab 15 Uhr steigt dann das große Finale.

Gewinnspiel: Die Tickets sind für beide Spieltage gültig. Ich will sie am besten im Double 2x2 vergeben, bin aber flexibel. Einziges Kriterium ist: Schnell sein. Rück in den Kommentaren deine Kontaktmöglichkeiten raus, ich melde mich. Treffpunkt zur Kartenübergabe ist heute 17 Uhr und ggf. morgen früh um 12 Uhr vor der 02-World. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Sonntag, 20. Januar 2013

PIRATEN 

Mies: Kampagne = Ergebnis.

Ich bin meilenweit davon entfernt das Piraten-Ergebnis bei der Niedersachsen-Wahl schönzureden. (Nachtrag: Ich bin kein Pirat, will die Partei auch nicht wählen. Warum? Das hat Claus mal gut verbloggt.) Aber es gibt sie noch, die leichte Hoffnung, den Einzug in den Bundestag doch noch zu schaffen. Das will ich erklären.

Die Wahlsiege der Piraten in Berlin, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen basierten meiner Meinung nach auch mit landespolitischen Trends. In diesen Bundesländern war vorher klar, wer die Wahl gewinnen, wer Ministerpräsident werden würde. Daher konnten viele Wähler ihre Stimme vergleichsweise lässig den Piraten geben.

In Niedersachsen jedoch stand es in allen Umfragen vor diesem Urnengang Spitz auf Knopf. Offenbar geriet die Piratenpartei dabei unter die Räder. Zu groß war das mediale Interesse, wie es mit Peer Steinbrück und Philipp Rösler weitergehen würde. Piraten wurden öffentlich wenig wahrgenommen. (Und wenn, dann auch nur mit einer gekünstelt lustigen Plagiatskampagne.)

Ändert sich das bei den nächsten Wahlen wieder, könnten die Piraten davon profitieren. Wohl eine Woche vor der Bundestagswahl werden die Bayern ihren neuen Landtag wählen. Es sieht alles danach aus, dass Horst Seehofer auf die absolute Mehrheit zusteuert. Ein spektakulärer Einzug der Piraten – weil der Sieger schon feststeht und die Wahlbeteiligung eher mau sein dürfte – könnte dann bundespolitisch in den sieben Tagen vor der Bundestagswahl enormen Rückenwind geben.

Könnte natürlich nur. Wichtig sind dafür natürlich auch ein professionelleres Auftreten, das Einstellen der parteiinternen, häufig absurden Streitigkeiten und medial vorzeigbare Spitzenkandidaten. Vielleicht überlegt es sich Marina Weisband doch noch einmal? 


tl;dr: Die Piraten sind in Niedersachsen krachend gescheitert. Für den Bund heißt das noch nix. Sie könnten davon profitieren, dass dort die Mehrheitsverhältnisse klarer sind.


Mittwoch, 12. Dezember 2012

DEMONSTRATION 

Na, Logo: Friedenstaube, gimme five!

Jedes Jahr am zehnten Dezember feiern wir den Internationalen Tag der Menschenrechte. Das Datum geht auf den Tag der Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen zurück. Dieser Anlass wird weltweit von Menschenrechtsorganisationen genutzt, um auf Missstände in vielen Staaten hinzuweisen.

Am Montag nahm ich an der Demonstration von 100 Berufsschülern des Rhein-Maas-Berufskollegs im niederrheinischen Kempen vor der chinesischen Botschaft in Berlin teil. Sie forderten die Freilassung des Bürgerrechtlers Liu Xiaobo, der 2010 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Unterstützt wurden sie von verschiedenen Organisationen wie change.org und ihrem lokalen Bundestagsabgeordneten Uwe Schummer (CDU).

Als Höhepunkt der Aktion wurden die 30 Artikel der historischen Deklaration gemeinsam von allen Anwesenden laut verlesen. Und die haben es in sich. Zwar ist der Text schon über 60 Jahre alt, birgt aber noch immer reichlich politischen Sprengstoff. Einige Punkte:


  • Jedem Verfolgten muss Asyl gewährt werden. (Art. 14)
  • Die Ehe wird faktisch nur Männern und Frauen zugestanden. (Art. 16)
  • Staatliche Enteignungen sind verpönt. (Art. 17)
  • Es gibt ein Recht auf Arbeit und angemessenen Lohn. (Art. 23)

Es lohnt sich, den gesamten Text (wieder) einmal in Ruhe durchzulesen. Die Menschenrechte und vor allem die Menschen, die die Rechte weltweit nicht genießen können, sind es wert.

Anbei noch einige Fotos der Demonstration (direkter Link):




tl;dr: Menschenrechte gehen uns alle an. Ich war am „Tag der Menschenrechte“ bei einer Demo für die Freilassung eines chinesischen Dissidenten.