Mittwoch, 17. April 2013

FRAUENQUOTE 

Showpolitik par excellence.
(Quelle: SPD-Kampagne)
Ich bin für Gleichberechtigung. Und ich habe grundsätzlich nichts gegen die Einführung einer Frauenquote. Was allerdings am Donnerstag im Bundestag debattiert wird und – noch schlimmer – wie in den Medien darüber berichtet wird, macht mich fassungslos.

Zu den Fakten: Es geht um rund 3.600 Vorstände und Aufsichtsräte der deutschen Top-Konzerne. Damit bezieht sich die rot-grüne Gesetzesinitiative auf gerade einmal 0,009 Prozent aller Jobs in Deutschland.

Ich bin mir sicher: Dieses Gesetz wird bahnbrechend sein. Ab Freitag werden wir damit Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern in unserem Land hergestellt haben. Fast alle Frauen, die ich persönlich kenne, planen ihre bisherigen Jobs umgehend zu kündigen und sich um eine gut dotierte Anstellung beim örtlichen DAX-Konzern zu bewerben ...

Natürlich sind die angesetzten namentlichen Abstimmungen der Oppositionsfraktionen gutes parlamentarisches Recht. Und taktisch zu versuchen, die Regierungsmehrheit zu sprengen, gehört zum kleinen Einmaleins der Politik. Geschenkt, zumal in einem Wahljahr. Nicht in Ordnung ist es aber, wenn die Medien diesem Schauspiel auf den Leim gehen und nirgendwo klar und deutlich sagen, was dieses Gesetz bewirken würde: Faktisch für 99,991 Prozent der Deutschen nichts.

Ich behaupte sogar, dass diese Debatte ein Rückschritt im Bemühen zu mehr Gleichberechtigung ist. Wir streiten uns nun ein paar Tage aufgeregt um wenige Elitejobs. Damit rücken andere, viel wichtigere Punkte dieser Debatte in den Hintergrund. Ist es nicht vielmehr so, dass die Vereinbarkeit und Familie und Beruf, der schleppende Ausbau der Kinderbetreuungsmöglichkeiten, die noch real existierenden Einkommensunterschiede bei gleicher Leistung, et cetera die viel größeren Übel sind?

Der Kampf um diese Frauenquote ist Symbolpolitik par excellence. Rot-Grün legt sich mit einer klitzekleinen unbeliebten Gruppe an, in der sie sich eh kaum Wählerstimmen verspricht. Ehrlich wäre es, eine breit angelegte Frauenquote in allen Bereichen zu fordern – also auch bei den obersten Behörden, bei den Professorenstellen in den Universitäten, den Parteien oder den Chefredaktionen. Aber dies verlangen weder Steinbrück noch Gabriel, weder Steinmeier noch Trittin. Mit der eigenen, Rot-Grün eher zugeneigten Klientel, will man es sich dann lieber doch nicht verscherzen.

Wie gesagt: Ich kann mit einer breiten Frauenquote gut leben. Diese Initiative ist jedoch Blödsinn. Genauso gut könnte man ein Gesetz für besseres Wetter oder kürzere Schlangen an den Supermarktkassen einbringen. Bringt zwar ebenfalls nix, ist aber ein total schönes Zeichen.


tl;dr: Das Gesetz zur Einführung einer Frauenquote ist reine Showpolitik und lenkt von den wichtigen Problemen ab. Die Medien fallen drauf rein.


Kommentare:

  1. Lieber Johannes, bei einer Quotenregelung geht man doch davon aus, dass mit einem zunehmenden Frauenanteil in den Aufsichtsräten/Vorständen dann natürlich auch diese Vorstände sich von dem männlichen Dominanzmodell was ihre Hiring-Politik angeht verabschieden und mehr für Frauen in Führungspositionen tun, wo ja Frauen im Gegensatz zum angelsächsischen System in Deutschland immer noch kaum vorhanden sind. Was die Parteien angeht haben die Grünen übrigens schon seit langem eine sehr überzeugende Regelung was die Besetzung von Ämtern und Mandaten angeht, da brauch der Trittin auch gar nix mehr zu fordern. Und auch bei der Besetzung von Professorenstellen ist mir bekannt, dass zumindest in Berlin immer die Frauenbeauftragte bei Neueinstellungen dabei sein muss und dort wo ein Männerüberschuss vorhanden ist Frauen auch bevorzugt eingestellt werden. Lieben Gruß Anna

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  2. Liebe Anna, glaubst du wirklich, dass durch paar Elitejobs, die quotiert werden, sich etwas grundlegend für bspw. dich ändert? Klar, bei paar hundert Frauen und Männer, die eine DAX-Vorstandskarriere anstreben, vielleicht. Ich befürchte eher, dass sich nach so einer Quote alle zurücklehnen werden. Warum nicht eine richtige Quote in allen Bereichen, mit der man wirkliche Signale in breite Schichten der Bevölkerung setzt? Diese Antwort bleiben Trittin & Co. schuldig.
    PS: Haben die im angelsächsischen System eine Quote?

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