Posts mit dem Label Bundesliga werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bundesliga werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 14. August 2014

FUßBALL-REFORMEN (2) 

Forderungen: Lasst die Kleinen zuhause spielen! Öffnet den Pokal! Lost demokratisch!

Vorab: In Teil zwei meiner reformatorischen Fußball-Agenda konzentriere ich mich auf einen meiner Lieblinge, den Wettbewerb um den Deutschen Fußball-Pokal. In der ersten Folge hatte ich mich mit allgemeinen Regeln beschäftigt, demnächst in Teil drei wird es um den Europacup und die Bundesliga gehen.

Eine der dämlichsten Floskeln im deutschen Fußball ist der Satz von den eigenen Gesetzen, die der Pokal habe. Allerdings ist sie so erfolgreich, dass sie abgewandelt sogar diesen Blogpost betitelt.

Der Hintergrund der Floskel ist recht simpel: Ab und zu scheitern höherklassig spielende Team an vermeintlich kleinen Mannschaften im DFB-Pokal. Das macht den größten Reiz des Wettbewerbs aus. Fahren die Bayern nach Vestenbergsgreuth, Borussia Dortmund nach Offenbach oder die Berliner Hertha egal wohin, hoffen die Fans des kleineren Vereins und alle anderen deutschlandweit auf einen Ausrutscher des Favoriten.

Dies nahm in den letzten Jahren aber deutlich ab. Die Leistungsunterschiede zwischen den Ligen sind enorm angewachsen. Außerdem gab es eine Reform, die den Kleinen einen Vorteil wegnahm. Und diese möchte ich sofort rückgängig gemacht wissen.


1. Höherklassige Teams immer auswärts!
Ein Unding, das irgendwann in den 90er-Jahren anfing. Da hatten auf einmal Zweitligisten nicht mehr automatisch Heimrecht gegen Bundesligisten. In den letzten Jahren ergab die Auslosung daher oftmals Knallerspiele wie Werder Bremen gegen den damaligen Zweitligisten FC Augsburg 2:0 im Halbfinale 2009/2010 oder Bayern München gegen den 1. FC Kaiserslautern im Halbfinale 2013/2014. Früher wurden solche Ansetzungen automatisch gedreht. Weil ja der Erstligist eh stärker einzuschätzen ist.

Wären letzte Saison die Bayern auf den Betzenberg gefahren, die Lauterer hätten garantiert bessere Chancen gehabt. In einem Abendspiel mit einem fanatischen Heimpublikum im Rücken wären die Lauter sicherlich über sich hinaus gewachsen. Aber so?

Beschwerliche Anreise mitten in der Woche zur bajuwarischen Multimillionen-Truppe – keine guten Vorzeichen. Bayern gewann dann auch locker mit 5:1. Spannung in einem DFB-Pokal-Halbfinale sieht anders aus. Deshalb meine Forderung: Gebt den Kleinen wieder volles Heimrecht.


2. Eine Runde mehr – dann können alle Drittligisten mitspielen!
Derzeit nehmen nur alle Erst- und Zweitligisten des Vorjahres, die 21 Sieger der Landesverbände und weitere sieben Klubs aus unteren Ligen (der genaue Modus wird hier erklärt) an der ersten Runde teil. Das ist mir zu wenig. Ich möchte auch alle Drittligisten im Wettbewerb haben. Und noch viel mehr. Eine einzige weitere Runde im DFB-Pokal mit dann 128 Mannschaften könnte folgende Besetzung haben:


  • 18 x 1. Bundesliga
  • 18 x 2. Bundesliga
  • 20 x 3. Liga
  • 21 x Landespokalsieger
  • 51 x Vertreter aus den fünf Regionalligen


Der DFB könnte mit solch einer Reform auch die Finanzierung der unteren Ligen sicherstellen. Gerade aus der Dritten und den Regionalligen hört man immer wieder von argen monetären Problemen.

In der abgelaufenen Saison kassierten die Erstrunden-Vereine mindestens 112.115 Euro. Dieser Betrag setzt sich aus Fernsehgeldern, Antrittsprämien und Zuschauereinnahmen (die im DFB-Pokal immer zwischen Heim- und Auswärtsteam geteilt werden) zusammen. Nicht einberechnet sind noch lokale und langfristige Faktoren (höhere Sponsorengelder, mehr Weitreiche in Medien).

Wenn nun deutlich mehr Vereine, also endlich alle Drittligisten und eine Vielzahl der Vierligisten die Chance zur Teilnahme haben, werden diese Klubs finanziell besser gestellt.


3. Alle in einen Lostopf!
Bisher gibt es bei der Auslosung der ersten Runde immer folgendes Prozedere: In den ersten Lostopf werden die Bundesligisten getan, in den zweiten die anderen Vereine. Dann wird munter einem unterklassigem Verein ein Favorit zugelost. Das finde ich, mit Verlaub, öde. So wird dafür gesorgt, dass fast alle Amateurvereine frühzeitig rausfliegen. Wenn alle Vereine in einen Topf kämen, könnte es der eine oder andere Dritt- oder Viertligist mit etwas Losglück weit bringen.

Ins Pokalfinale haben es bisher überhaupt nur drei Amateurteams geschafft: Die zweite Mannschaft von Hertha BSC (1993) sowie Energie Cottbus (1997) und der 1. FC Union Berlin (2001). Hannover 96 gewann 1992 als Zweitligist als einziger Nicht-Bundesliga-Verein überhaupt den Titel.

Natürlich wollen die Großen Vereine lieber leichte Gegner haben. Aber mit welchem Recht leiten sie diese Forderung ab?

Durch die Aufstockung des Wettbewerbs (siehe oben) liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es in bereits in der ersten Runde zu einem reinen Bundesligaduell kommt, für jeden Erstligaklub bei nur 17:110. Das müssten die Profiteams aushalten können.

Aber natürlich kann die Losfee auch mal gleich zu Beginn den FC Bayern und Borussia Dortmund aufeinandertreffen lassen. Aber warum auch nicht?!


tl;dr
Drei Reformansätze für den DFB-Pokal: 1. Unterklassige haben immer Heimrecht. 2. Eine Runde mehr = 64 Teams aus 3. Liga und darunter mehr im Wettbewerb. 3. Alle Vereine in einen Topf = Dortmund vs. Bayern in erster Runde möglich.


Montag, 11. August 2014


Das Logo der Fußball-Bundesliga.
Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien war eine ganz okaye Sommer-Überbrückung, aber jetzt wird es endlich wieder ernst. Die Bundesliga startet in ihre 52. Spielzeit. An 34 Spieltagen werden die Mannschaften um Meisterschaft, Europapokalplätze und gegen den Abstieg spielen. Ich freu mich wahnsinnig.

Ich lade alle Leserinnen und Leser meines Blogs ein, auch in dieser Saison die korrekte Abschlusstabelle zu tippen. Meine Tipps findet ihr etwas weiter unten.

Zunächst ein Blick zurück: Vergleicht man meine Tipp-Tabelle 2013/2014 mit der wahren Abschlusstabelle, bin ich sehr zufrieden. Bei sieben Teams habe ich die korrekte Platzierung getippt (darunter den Meister und beide Absteiger). Deutlich daneben lag ich nur beim VfB Stuttgart (acht Ränge zu gut) und dem FC Augsburg (acht Ränge zu schlecht).

In der Addition geht der ausgelobte Preis für den besten Tipper an Lukas Müller. (Ich bin so lieb und platziere den HSV, den du vergessen hattest, auf Platz 12, den du auch ausgelassen hast, ein.) Herzlichen Glückwunsch! Schicke mir mal deine Adresse, du erhältst ein kleines Präsent.

In der neuen Saison werden die Bayern nicht erneut triumphieren – da bin ich mir leider sicher. Aus verschiedenen Gründen: 1. Die Regeneration der erfolgreichen WM-Teilnehmer ist zu kurz. Keine andere Mannschaft auf der Welt hat mehr WM-Einsätze gehabt. 2. Die Mannschaft steht vor dem Umbruch. Die Leistungsträger Schweinsteiger, Lahm, Robben und Ribery sind alle über 30 Jahre alt und mindestens auf ihrem Zenit. 3. Bayern ist zu satt, Dortmund einfach mal wieder fällig.

Positiv überraschen werden meines Erachtens Wolfsburg, Hoffenheim und die Hertha. Mainz und Augsburg werden ihre Vorjahresergebnisse nicht halten können. Dafür sollten Stuttgart und Hamburg diesmal nicht bis zuletzt zittern müssen. Bremen, Freiburg und Paderborn müssen sich auf ganz ungemütliche Zeiten einstellen.

Hier nun meine vollständige Saison-Prognose:

  1. Borussia Dortmund
  2. Bayern München (M, P)
  3. VfL Wolfsburg
  4. FC Schalke 04
  5. Bayer 04 Leverkusen
  6. 1899 Hoffenheim
  7. Borussia M'gladbach
  8. Hertha BSC
  9. VfB Stuttgart
  10. Hannover 96
  11. Hamburger SV
  12. Eintracht Frankfurt
  13. 1. FSV Mainz 05
  14. FC Augsburg
  15. 1. FC Köln (N)
  16. Werder Bremen
  17. SC Freiburg
  18. SC Paderborn 07 (N)

Im letzten Jahr lag ich mit meinen Zweitliga-Aufsteiger-Tipps (Kaiserslautern, Bochum und 1860 München) weit daneben. Passiert das auch in diesem Jahr, so werden der 1. FC Nürnberg, der 1. FC Kaiserslautern und Fortuna Düsseldorf, die heuer meine Favoriten sind, enttäuschen.

Aber jetzt bist du dran. Kopiere meine Tabelle in die Kommentare und wirble sie nach Gutdünken durcheinander. Der Beste kann sich in zwölf Monaten auf eine kleine Überraschung freuen. Viel Spaß!


tl;drBundesliga-Prognose: Dortmund löst Bayern als Meister ab. Wolfsburg wird Dritter. Stuttgart und Hamburg landen im Mittelfeld. Bremen, Freiburg und Paderborn können die Klasse nicht halten. Deine Tipps bitte in die Kommentare.


Dienstag, 29. April 2014

BAYERN-SAISON 2013/2014 

Um ihn geht's: Jungs, erobert das Ding erneut!
Die Bayern scheiden heute im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid aus. Sagt mir mein Gefühl. Seit Tagen überwiegt bei mir der Pessimismus. Und das kommt seltener vor als Bayern-Niederlagen im Jahr 2013.

Die Mannschaft ist in den letzten Wochen oftmals nur noch eine Karikatur ihrer selbst. Zwar kommt sie weiterhin auf überragende Ballkontaktwerte, kann diese aber zu selten in Zählbares umsetzen.

Noch nie hat ein Verein seit Einführung der Champions League 1992/1993 den Titel verteidigen können. So wie einst Real Madrid ab 1955/1956 fünfmal den Pott gewann oder die Beckenbauer-Bayern in den 70ern immerhin noch dreimal hintereinander triumphieren konnten wird es wohl nie wieder solche eine Ära im europäischen Vereinsfußball geben.

Die Gewinner des Vorjahres schafften es in den letzten 18 Jahren nur noch ein einziges Mal (Manchester United 2007/08) überhaupt ins Finale. Tendenz: Sie scheiden immer früher aus.

1992/93: Olympique Marseille – nächste Saison: gesperrt
1993/94: AC Mailand – Finale
1994/95: Ajax Amsterdam – Finale
1995/96: Juventus Turin – Finale
1996/97: Borussia Dortmund – Halbfinale
1997/98: Real Madrid – Viertelfinale
1998/99: Manchester United – Viertelfinale
1999/00: Real Madrid – Halbfinale
2000/01: FC Bayern München – Viertelfinale
2001/02: Real Madrid – Halbfinale
2002/03: AC Mailand – Viertelfinale
2003/04: FC Porto – Achtelfinale
2004/05: FC Liverpool – Achtelfinale
2005/06: FC Barcelona – Achtelfinale
2006/07: AC Mailand – Achtelfinale
2007/08: Manchester United  Finale
2008/09: FC Barcelona – Halbfinale
2009/10: Inter Mailand – Viertelfinale
2010/11: FC Barcelona – Halbfinale
2011/12: FC Chelsea – Vorrunde
2012/13: FC Bayern München – ?

Alle große, gar dominierende Mannschaften der letzten Jahre, ob Ajax Amsterdam, Real Madrid oder der FC Barcelona scheiterten also an der Mammutaufgabe Titelverteidigung.

Woran das liegt? Die Leistungsdichte an der Spitze ist heute so eng, dass nicht mehr das spielerische Material den Ausschlag gibt. Das Mentale entscheidet heute über Tod oder Gladiolen.

Um große Titel zu gewinnen, braucht es heute vor allem einen extremen unnachahmlichen Erfolgswillen. Und der stellt sich naturgegeben bei denen eher ein, die den Pokal nur aus großer Nähe kennen. Wer bereits Top of the Pops ist, ruht sich eher auf seinen Meriten aus.

Auch wenn es eigentlich Selbstverständlichkeiten sind: Da stehen im Schnitt Mitte-Zwanzigjährige auf dem Platz. Was die an (medialem) Druck aushalten müssen, können wir uns höchstens entfernt vorstellen. Mit totalem Erfolg umzugehen, ist übrigens nicht viel einfacher als mit häufigen Niederlagen. Der Erwartungsdruck, der auf den Spielern lastet, ist immens hoch. Der Bayern-Viertelfinalgegner Manchester United – klarer aktueller Meister in der starken englischen Premier League – wird sogar allgemein verbindlich zum „Freilos“ abgestempelt.

Unter diesen Begebenheiten ist diese erste Saison unter Trainer Pep Guardiola bereits jetzt ein großer Erfolg. Die Mannschaft hat national fast alle Rekorde gebrochen, wurde quasi im Winter bereits Deutscher Meister. Sie steht im Halbfinale der Königsklasse und kann auch noch den DFB-Pokal gegen den Dauerrivalen Borussia Dortmund erringen. Das ist unter'm Strich die wohl zweitbeste Saison einer deutschen Mannschaft aller Zeiten – überboten nur vor der vorherigen.

Natürlich drücke ich meinem Verein heute die Daumen. Wäre ich im Stadion, würde ich das Team bedingungslos anfeuern  den Trainer inklusive. Vielleicht schafft der FC Bayern ja heute doch noch sein Miracle. Und wenn nicht, bleibt 2013/2014 dennoch ein außergewöhnlicher Erfolg. Dann greifen wir eben im nächsten Mal erneut an.


tl;dr: Der FC Bayern scheidet heute gegen Real Madrid aus – weil die Spieler dem mentalen Druck nicht (mehr) gewachsen sind. Trotzdem ist die Saison ein grandioser Erfolg.


Dienstag, 28. Januar 2014


Dortmund der neue Krisenklub?
Viertes Heimspiel infolge ohne Sieg, 14 Punkte Rückstand (plus ein Spiel) auf Bayern München, die direkte Qualifikation für die Champions League wackelt. Bei Borussia Dortmund liegt einiges im Argen.

Freilich, für Platz drei sollte sich niemand schämen. Doch immer mehr wird deutlich: Anspruch und Wirklichkeit klaffen beim letzten Champions-League-Finalisten derzeit auseinander.


Woher kommt die derzeitige Schwäche des BVB? Einige Argumente, von einem, der zwar den Verein nicht sonderlich mag, das Auf und Ab von Klubs in der Bundesliga aber interessanter findet als eine drohende mögliche Dauer-Dominanz des FC Bayern.


Erstens: Die Verletzten-Misere. Ja, die Dortmunder hat es zuletzt arg erwischt. Aber auch andere Teams (Bayern: Badstuber, Schweinsteiger, immer wieder Robben) kennen solche Phasen.


Zweitens: Irgendwann nutzt sich jeder Trainer ab. Nein, das soll kein Klopp-Bashing werden. Seit seinem Amtsantritt anno 2008 kannte der Verein eigentlich nur eine Richtung: nach oben. Und Jürgen Klopp ist dabei der Garant. Wie ihm es gelang, neue Talente einzubauen, taktische Maßstäbe in der Bundesliga zu setzen und die Mannschaft immer punktgenau einzustellen und zu motivieren, nötigt selbst mir allergrößten Respekt ab.


Wie er, seine Mannschaft, der Verein und das Umfeld jetzt auf die Schwächephase reagieren, wird dennoch spannend zu beobachten sein. In solch einer Situation sind sicher andere Qualitäten gefragt. Mal schauen, ob Klopp die ebenfalls besitzt.


Drittens: Die Transfers. In den letzten vier Jahren verlor Dortmund wichtige Führungsspieler.

  • 2011/2012 wechselte Nuri Sahin  für 10 Mio. Euro zu Real Madrid.
  • 2012/2013 ging Shinji Kagawa für 16 Mio. Euro zu Manchester United und Lucas Barrios für 8,5 Mio. Euro zum FC Guangzhou Evergrande.
  • 2013/2014 verließ Mario Götze für 37 Mio. Euro den BVB Richtung Bayern München.
  • Und zur neuen Saison folgt ihm Robert Lewandowski – sogar ablösefrei.

Ich halte es für eher unwahrscheinlich, dass ein Verein Abgänge dieser Qualität Jahr für Jahr adäquat ersetzen kann. So ist es bisher fast der beste Beweis kloppscher Trainerkunst, die Entwicklung des Vereins trotzdem kontinuierlich fortgesetzt zu haben. Aber irgendwann geht das nicht mehr. Schon aus statistischen Gründen kann nicht jeder neue Transfer einschlagen. (Man hätte diese Entwicklung auch nahezu korrekt vorhersagen können.)

Diese eine Frage muss ich aber stellen: Warum verlassen jedes Jahr so enorm wichtige Spieler den Verein? An den finanziellen Möglichkeiten kann es nicht ausschließlich liegen. Verein (jedes Jahr Champions League!) und Umfeld (das Stadion! die Fans!) bieten den Spielern doch fast alles, wofür die Spieler ihren Beruf lieben.

Ich bin da selbst etwas ratlos. Jedoch weiß ich eines: Nur wenn der BVB das abstellt, wird er den Bayern auf Jahre Paroli bieten können.



tl;dr: Borussia Dortmund rutscht diese Saison ab, weil es den jahrelangen personellen Aderlass nicht mehr ersetzen kann. Trainer Jürgen Klopp stößt an seine Grenzen.



Dienstag, 15. Oktober 2013


Famos! Die Bayern spielen großartigen Fußball; das freut mich als Bayern-Fan sehr. Die Spiele bei Schalke (4:0), Manchester City (3:1) und in Leverkusen (1:1) waren dicht am perfekten Spiel. Es ist schön, wenn uns ganz Europa um unseren Fußball beneidet.

Fraglich! Mit dem Kauf von Mario Götze und den Transfergerüchten um Robert Lewandowski vom ärgsten Rivalen Borussia Dortmund haben die Bayern viele Fans und Verantwortliche verärgert. Nicht nur ich mache mir Sorgen um die Ausgeglichenheit der Bundesliga.

Früher! Natürlich stehen die Bayern vor allem wegen ihrer vorbildlichen Führung so gut da. Auch hat es schon immer finanziell potentere und ärmere Vereine in der Bundesliga gegeben.

Freilich! Sportlicher Erfolg soll sich auch weiterhin in konkreten Zahlen ausdrücken. Es ist fair, wenn die Bayern ihr im Europapokal erspieltes Geld behalten dürfen. Die Schere in der Bundesliga zwischen den Meisterschaftsanwärtern und dem Mittelfeld oder gar den Fahrstuhlmannschaften ist jedoch so groß wie nie zuvor.

Fakt! Das komplizierte, leistungsbezogene System, bei dem die besten Vereine das meiste Geld aus den Verträgen zwischen Bundesliga und den TV-Sendern wie sky, ARD und ZDF bekommen, ist gescheitert. (Wie genau die Berechnung funktioniert, erklärt www.fernsehgelder.de.)

Umverteilung: So viel Geld haben die 22 Bundesligisten der
letzten drei Saisons durch den TV-Vertrag eingenommen.

(Grün: 1. Liga, Rot: 2. Liga, Quelle: www.fernsehgelder.de)
Es spielen 18 Teams in der Bundesliga, ebenso viele in der 2. Liga. Ganz ohne Clubs wie Bayern München, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Schalke 04 wäre der Sport-Wochenende deutlich uninteressanter. Auch die Einschaltquoten der Sportschau, die Auflagen von kicker, Sport-Bild & Co. wären deutlich niedriger. Natürlich profitieren in diesen Boom-Jahren alle von den Großkopferten der Liga.

Und dennoch gilt genauso: Bayern München kann nicht gegen sich selbst spielen. Der FC Bayern benötigt 17 verschiedene Gegner. Gerade Teams wie Mainz 05 oder der FC Augsburg sind oftmals das Salz in der Suppe. Ohne die läuft es nicht.

Wenn tatsächlich alle aufeinander angewiesen sind, warum bekommt dann nicht jeder das selbe TV-Geld?

Die Bayern profitieren ja trotzdem noch enorm von ihrer Popularität und ihrem sportlichen Erfolg. Sie haben eines der größten Stadien, das immer gefüllt ist. Sie haben darin die höchste Kapazität an sogenannten Business-Seats und Logen, die das meiste Geld bringen. Sie haben die mit Abstand besten und meisten Sponsoren-Gelder. Und auch durch ihre Auftritte im Europapokal verdienen die Bayern Millionen.

Es geht mir ja gar nicht darum, den Bayern etwas wegzunehmen. Nein, ich glaube sogar, die Bayern würden langfristig davon profitieren. Denn nur wenn die Liga wieder ausgeglichener ist, wird das Interesse von Millionen Fußball-Fans weiterhin hoch bleiben.

Ein Blick in die spanische Liga, wo traditionell nur zwei Teams alles dominieren, beweist: Zwar wird beim FC Barcelona und bei Real Madrid toller Fußball gekickt, aber überall gehen die Zuschauerzahlen dramatisch zurück. Das liegt auch an der Wirtschaftskrise, aber eben nicht nur.

Deshalb meine Forderung: Jeder Bundesligaverein, egal ob er auf Rang eins oder Platz achtzehn die Saison beendet, sollte das gleiche Geld aus dem Topf erhalten. Und zwar sofort.


tl;dr: Bayern, Dortmund und Schalke stoßen in neue finanzielle Dimensionen vor, der Rest wird unabänderlich abgehängt. Damit muss Schluss ein. Ich fordere eine sozialistische TV-Gelder-Verteilung.


Montag, 19. August 2013

Vorbemerkung: Schreibe ich Samstag oder Sonnabend? Allein der Begriff für den sechsten Tag in den meisten unserer Kalender ist so heftig umstritten wie zuletzt nur die DDR-Anführungsstriche oder das Idiotenapostroph. Mein persönlicher Kompromiss in diesem Text: Abwechslung!

Meine normale Wochenend-Aufteilung.
Am Ende einer regulären Arbeitswoche sind Millionen Deutsche erschöpft. Oftmals bekomme ich samstags kaum was geregelt. Kurz vor Ladenschluss, also in meinem Fall gegen dreiundzwanzig Uhr siebzehn, raffe ich mich endlich auf und muss mich sputen, um noch dreilagiges Toilettenpapier oder eine Banane im Supermarkt um die Ecke kaufen zu können. Weil ja am Sonntag nix geöffnet hataußer den Spätis, die es ja nur in den Mega-Citys gibt.

Dann ist Sonnabend in den meisten Regionen noch Markttag. Viele brechen an dem Tag in den Urlaub auf, kommen an oder zurück. Samstag ist Bundesliga – ergo eh der Feiertag der Woche für die Fußball-Fans. Und jeder, der an diesem Tag schon einmal bei IKEA war, kann es bestätigen: Der Sonnabend ist der stressigste Tag der Woche.

Ich habe keine belastbaren Daten, bin mir aber sicher, dass am Samstag die meisten Morde verübt, die meisten Ehen gebrochen, die meisten süßen Katzen gequält und die meisten Verspätungen bei der Bundesbahn angehäuft werden. Entlastet den Tag! Jetzt!

Dagegen der Sonntag. Totenstille in deutschen Fußgängerzonen. Todesangst vor dem nahenden Montag bei Millionen Arbeitnehmern, Studenten, Schülern und Kindergartenkindern. Warum kann dieser wichtige Tag, an dem ja auch meist das beste Wetter ist, nicht einige der Aufgaben des Sonnabends übernehmen?

Es wäre so einfach: Tauscht einfach den Samstag mit dem Sonntag! Und alles wird gut.

Noch ein historisch-politisches Knaller-Argument: Wir Deutsche sollten uns mehr auf unsere christlich-jüdischen Wurzeln besinnen. Bei Juden ist traditionell der Samstag, der Sabbat, der heilige Wochentag. Im Islam wird der Freitag geehrt. Verlegen wir unseren Feiertag also auf Samstag, kann das ohne Umschweife als ein aufeinander zugehen der Weltreligionen interpretiert werden.


tl;dr: Wochenenden arten nicht selten in puren Stress aus. Alles, was unter der Woche nicht geht, muss am Samstag erledigt werden. Dabei geht es auch anders. Ein Plädoyer für den Tausch von Sonnabend und Sonntag.


Freitag, 9. August 2013


Das Logo der Fußball-Bundesliga.
Der Ball rollt wieder. Freitagabend um 20.30 Uhr starten Titelverteidiger Bayern München und Borussia Mönchengladbach in die neue Bundesliga-Saison. Endlich wieder richtiger, ehrlicher Wettbewerb und keine Audi-Franz-Beckenbauer-Super-Telekom-Uli-Hoeneß-Fuji-Cup-Spiele mehr.

Vor der letzten Saison hatte ich weniger an das Triple des FC Bayern als an den Titel-Hattrick des BVB geglaubt (alles hier nachzulesen). Darüber hält sich mein Ärger jedoch arg in Grenzen.

Vergleicht man meine damalige Tipp-Tabelle mit der wahren Abschlusstabelle, schneide ich so schlecht nicht ab. Zwar habe ich nur eine Platzierung vollkommen korrekt vorhergesagt (FÜH), aber bei vier weiteren Teams lag ich nur einen Rang daneben (BVB, MGB, H96, FCA), bei fünf nur zwei Plätze (S04, FCB, M05, FCN, F95), bei dreien genau drei Ränge (LEV, HSV, SVW).

Aus meiner Sicht überrascht hatten mich negativ Wolfsburg (-6 Plätze), Hoffenheim (-7 Plätze) und Stuttgart (-8 Plätze). Weit positiver als gedacht schnitten Frankfurt (+7 Plätze) und Freiburg (+9 Plätze) ab.

Jetzt geht's in die neue Runde. Hier mein Tipp für die Spielzeit 2013/14:

  1. Bayern München (M, P)
  2. Bayer 04 Leverkusen
  3. FC Schalke 04
  4. Borussia M'gladbach
  5. Borussia Dortmund
  6. VfL Wolfsburg
  7. VfB Stuttgart
  8. SC Freiburg
  9. 1899 Hoffenheim
  10. Hannover 96
  11. Hamburger SV
  12. 1. FSV Mainz 05
  13. Eintracht Frankfurt
  14. Hertha BSC (N)
  15. Werder Bremen
  16. FC Augsburg
  17. 1. FC Nürnberg
  18. Eintracht Braunschweig (N)

Bonus: Auf den ersten drei Plätzen in der 2. Liga sehe ich den 1. FC Kaiserslautern, den VfL Bochum und den TSV 1860 München. Also keinen der Absteiger aus der letzten Saison.

Was ist dein Tipp? Bitte notiere doch deine Platzierungen hier unten in den Kommentaren. Der beste Tipp wird auch prämiert!


tl;dr: In meiner Bundesliga-Prognose verteidigen die Bayern ihren Titel. Leverkusen, Schalke und Gladbach folgen, Dortmund rutscht auf Platz fünf ab. Augsburg rettet sich in die Relegation, Braunschweig und Nürnberg müssen direkt absteigen.


Freitag, 26. Juli 2013

UPDATE! EUROPÄISCHE LIGEN 

Der schottische FC Bayern.
Vorab-Hinweis: Der Text stammt vom 11. Februar 2013. Die Tabelle darunter und einige Anmerkungen dazu sind von heute. Die Februar-Tabelle und ein erstes Update vom 12. April 2013 stehen zum Vergleich noch in den Kommentaren.

Die Dominanz, mit der der FC Bayern München die Fußball-Bundesliga beherrscht, sorgt für erste Gähnanfälle bei Fans und Medien. Klar, eingefleischte Bayern-Anhänger können sich an den erfolgreichen Kicks ihres Vereins kaum sattsehen – was nach zwei titellosen Jahren auch wenig verwundert. Aber nicht nur auf Quoten, Auflagen und Klicks schielende Medienschaffende hätten gegen etwas mehr Rotation an der Tabellenspitze nichts einzuwenden.

Zufrieden sind maximal noch die Statistiker. Woche für Woche vermelden sie neue Rekorde und rechnen vorsorglich aus, wann die Meisterschale frühestens für die Übergabe an Philipp Lahm und Co. geputzt werden kann.

Ich habe mich aber gefragt, ob die Überlegenheit einzigartig ist – zumindest bei uns in Europa. Deshalb habe ich mich durch alle ersten Ligen der UEFA-Mitgliedsverbände (also auch Israel) gewühlt. Aufgenommen in die Statistik habe ich alle Ligen, die mitten in der Saison stehen. Die meisten skandinavischen Länder starten ja traditionell erst im April in ihre Saison.

Sortiert ist die Liste nach dem Vorsprung, den der Tabellenführer auf den zweiten Rang hat. Bei Punktgleichheit zählt die höhere Tordifferenz. Ist auch diese gleich (Andorra/Mazedonien) habe ich den Verein an die Spitze gesetzt, der weniger Ligaspiele auf dem Buckel hat.

Die Bayern sind zwar bei uns das Maß aller Dinge, in Europa aber sticht die schottische Liga heraus. Dort profitiert jedoch Celtic Glasgow vor allem vom Wegfall ihres natürlichen Duopolist-Partners. Die Glasgow Rangers wurden ja aufgrund ihrer Insolvenz gerade in die vierte schottische Division zurückgesetzt.

Von den klassischen europäischen Spitzenligen ist die Meisterschaftsentscheidung in Portugal derzeit am spannendsten. Dort trennen den amtierenden Meister FC Porto lediglich vier Törchen von Verfolger Benfica Lissabon.

Hier nun die endgültige Dominanz-Tabelle des europäischen Fußballs 2012/2013:

  1. Deutschland: 25 Punkte, +41 Tore - Bayern München - 34 Spiele
  2. Wales: 22 Punkte, +30 Tore - The New Saints - 32 Spiele
  3. Kroatien: 20 Punkte, +32 Tore - Dinamo Zagreb - 33 Spiele
  4. Schottland: 16 Punkte, +41 Tore - Celtic Glasgow - 38 Spiele
  5. Rumänien: 16 Punkte, +31 Tore - Steaua Bukarest - 34 Spiele
  6. Griechenland: 15 Punkte, +21 Tore - Olympiakos Piräus - 30 Spiele
  7. Spanien: 15 Punkte, +14 Tore - FC Barcelona - 38 Spiele
  8. Moldawien: 14 Punkte, +20 Tore - Sheriff Tiraspol - 33 Spiele
  9. Israel: 13 Punkte, +19 Tore - Maccabi Tel Aviv - 36 Spiele
  10. Frankreich: 12 Punkte, +40 Tore - Paris St. Germain - 38 Spiele
  11. Serbien: 11 Punkte, +35 Tore - Partizan Belgrad - 30 Spiele
  12. England: 11 Punkte, +11 Tore - Manchester United - 38 Spiele
  13. Georgien: 10 Punkte, +31 Tore - Dinamo Tiflis - 32 Spiele
  14. Türkei: 10 Punkte, +14 Tore - Galatasaray Istanbul - 34 Spiele
  15. Ungarn: 10 Punkte, -4 Tore - Györi ETO FC - 30 Spiele
  16. Armenien: 9 Punkte, +15 Tore - Schirak Gjumri - 42 Spiele
  17. Italien: 9 Punkte, +10 Tore - Juventus Turin - 38 Spiele
  18. Nordirland: 8 Punkte, +16 Tore - FC Cliftonville - 38 Spiele
  19. Slowenien: 8 Punkte, +7 Tore - NK Maribor - 36 Spiele
  20. Ukraine: 7 Punkte, +30 Tore - Schachtar Donezk - 30 Spiele
  21. Niederlande: 7 Punkte, -12 Tore - Ajax Amsterdam - 34 Spiele
  22. Polen: 6 Punkte, +13 Tore - Legia Warschau - 30 Spiele
  23. Albanien: 6 Punkte, +5 Tore - Skenderbeu Korce - 26 Spiele
  24. Bosnien-Herzegowina: 6 Punkte, -5 Tore - Zeljeznicar Sarajevo - 30 Spiele
  25. Andorra: 5 Punkte, +33 Tore - FC Lusitans - 20 Spiele
  26. Mazedonien: 5 Punkte, +30 Tore - Vardar Skopje - 33 Spiele
  27. Zypern: 5 Punkte, +12 Tore - APOEL Nikosia - 32 Spiele
  28. Dänemark: 5 Punkte, +7 Tore - FC Kopenhagen - 33 Spiele
  29. Montenegro: 5 Punkte, +2 Tore - Sutjeska Niksic - 33 Spiele
  30. Österreich: 5 Punkte, +1 Tor - Austria Wien - 36 Spiele
  31. Slowakei: 4 Punkte, +17 Tore - Slovan Bratislava - 33 Spiele
  32. Luxemburg: 4 Punkte, +11 Tore - CS Fola Esch - 26 Spiele
  33. Schweiz: 3 Punkte, +14 Tore - FC Basel - 36 Spiele
  34. Aserbaidschan: 3 Punkte, +10 Tore - Neftci Baku - 32 Spiele
  35. San Marino, Gruppe A: 3 Punkte, 9 Tore - Libertas Borgo Maggiore - 20 Spiele
  36. San Marino, Gruppe B: 3 Punkte, 0 Tore - SS Folgore/Falciano - 20 Spiele
  37. Belgien: 2 Punkte, +5 Tore - RSC Anderlecht - 40 Spiele
  38. Russland: 2 Punkte, -4 Tore - ZSKA Moskau - 30 Spiele
  39. Tschechien: 2 Punkte, +1 Tor - Viktoria Plzen - 30 Spiele
  40. Bulgarien: 1 Punkt, +6 Tore - Ludogorez Rasgrad - 30 Spiele
  41. Portugal: 1 Punkte, -1 Tor - FC Porto - 30 Spiele
  42. Malta: 0 Punkte, +2 Tore - FC Birkirkara - 32 Spiele

Einige Anmerkungen noch:
  • Showdown: Nur in Portugal konnte der „April-Meister“ noch abgefangen werden. Von Februar bis April hatte es noch in sieben Ländern neue Tabellenführer gegeben: Aserbaidschan, Malta, Niederlande, Portugal, San Marino (Gruppe A), Schweiz und Zypern.
  • Konstanz: 20 mal wurde im Endspurt der Vorsprung des Tabellenführers größer (von Februar bis April noch 23 mal), in 19 Ländern wurde es enger (von Februar bis April nur 12 mal).
  • Besonderheit: In Malta wurde der Meister durch ein Entscheidungsspiel bestimmt, in San Marino in einer K.o.-Runde.

tl;dr: Der FC Bayern wurde überlegen Deutscher Meister. Auch im europäischen Vergleich sind die Bayern das Non-Plus-Ultra. Alle Meister im Dominanz-Check.


Dienstag, 2. Juli 2013

TICKETHANDEL 

Katharina Strohmeyer versuchte das Schlimmste zu verhindern. (Foto: Olli All, Facebook)

Derzeit genieße ich die fußballlose Sommerpause. Hin und wieder schrecken mich aber Nachrichten aus der Welt des runden Leders auf. Die zur Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04 am Samstag gehörten dazu.

In den sozialen Netzwerken wurden die Beiträge meiner Facebook-Freundin Katharina Strohmeyer stark debattiert. Unter anderem schrieb sie gestern vorgestern, emotional aufgeladen:

„Noch 2 Stunden, dann wird auf Schalke der Ticket-Schwarzmarkt für immer und ewig legalisiert! In den vergangenen Wochen habe ich tiefe Einblicke in die Entscheidungsprozesse des FC Schalke 04 und den Umgang der Vereinsführung mit den Mitgliedern bekommen. Ich bin erschüttert. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Auf Schalke wird deutlich mehr gelogen, als in der Politik! Weil zur Jahreshauptversammlung kein einziger der etwa 35 Anträge zugelassen wurde, habe ich einen "wasserdichten" Eilantrag gestellt. Auch dieser sollte abgeschmettert werden. Ich bin auf die Bühne und habe den Antrag (mit Unterstützung von Frank Zellin) vor etwa 9.000 Mitglieder zur Abstimmung gebracht. Das Ergebnis: Ca. 80 Prozent der Mitglieder wollen, dass Die Vereinsführung den Vertrag mit Viagogo kippt – und zwar noch heute. Was macht der Vorstand? Sitzt das aus. Was macht die Presse? Schweigt zu der Abstimmung. In zwei Stunden sitzen die Schwarzmarkt-Ganoven bei Sekt und Nutten zusammen – von unserem Geld. Und was mache ich? Ich sitze zu Hause, kann jetzt nichts mehr tun und bekomme im Minutentakt Nachrichten von "wildfremden" Schalkern, die sich bei mir für meine spontane Rede bedanken. Dafür, dass endlich mal einer den Arsch in der Buchse hatte, den Herren auf dem Podium zu sagen, dass die Vereinssatzung auch für Vorstand und Aufsichtsrat gilt und nicht nur für das Fußvolk. Liebe Schalker, danke für Eure Unterstützung! Nach jeder neuen Nachricht, wischt mein Freund mir die Tränen aus dem Gesicht. Ich bin tieftraurig. Mein blau-weißes Herz, es weint ...“

Was ist denn da los?

Schalke 04 wird die nächsten drei Jahre mit der Online-Ticketbörse Viagogo zusammenarbeiten. Der Vereinsführung um Aufsichtsratschef Clemens Tönnies sind die angebotenen 1,2 Millionen Euro jährlich für die Kooperation zu verlockend. Ein Großteil der Vereinsmitglieder möchte dies jedoch verhindern. Zu mies ist das Image von Viagogo, zu groß sind die Befürchtungen, dass nun die Ticketpreise beim Revierclub explodieren.

Wie Viagogo arbeitet und welche Erfahrungen man macht, wenn man den Service selbst nutzt, hat Stefan Merx neulich – und zu Recht vielbeachtet – notiert.

Viagogo argumentiert pharisäerhaft, man bringe einfach Angebot und Nachfrage zusammen und biete seinen Kunden ein einmaliges Erlebnis. Meist sind die Tickets aber nur einmalig teuer. So sollen beispielsweise am Tag vor dem diesjährigen Champions-League-Finale in London noch Tickets für mehr als 25.000 Euro (inklusive einem Essen in der VIP-Lounge) den Besitzer gewechselt haben.

Freilich: Je teurer die Eintrittskarte, desto mehr verdient Viagogo. Die Plattform nimmt vom Verkäufer zehn und vom Ankäufer 15 Prozent des Preises. Jeweils, wohlgemerkt!

Dem wollten die Vereinsmitglieder von Schalke 04 einen Riegel vorschieben. Was bietet sich da besser als die Jahreshauptversammlung an? Antrag stellen, leidenschaftlich diskutieren, abstimmen und fertig.

Denkste! Mit Verfahrenstricks versuchten die vom Schalke-Vorstand engagierten Top-Juristen einer renommierten Essener Kanzlei den Fan-Aufstand zu verhindern. Zig Anträge wurden erst gar nicht zur Abstimmung zugelassen, die Diskussion darüber im Keime erstickt. Erst als Frank Zellin und Katharina Strohmeyer den in der Satzung vorgesehenen Eilantrag stellten, gab sich der Vorstand vermeintlich geschlagen.

„Eilantrag zur Jahreshauptversammlung am 29. Juni 2013:
Die Jahreshauptversammlung möge über das Thema „Bekämpfung des Ticketschwarzmarkts“ ergebnisoffen diskutieren. Anschließend wird ein Meinungsbild im Wege einer rechtsfolgenlosen Probeabstimmung darüber eingeholt, ob der Verein an dem Vertragsverhältnis mit Viagogo festhalten soll oder ob das Vertragsverhältnis noch vor Inkrafttreten wieder rückgängig gemacht werden soll.
Begründung: Das Thema „Bekämpfung des Ticketschwarzmarkts“ ist für die Mitglieder des FC Schalke 04 von grundsätzlicher Bedeutung. Wer Vereinsmitglied ist, hat auch ein Interesse daran, die Spiele der ersten Mannschaft im Stadion mitzuerleben. Dies kann er nur, wenn Karten zu bezahlbaren Preisen erhältlich sind. Wird jedoch dem Ticketschwarzmarkt kein Einhalt geboten, steigen die Eintrittspreise in astronomische Höhen. Darüber hinaus hat jedes Mitglied auch ein besonderes Interesse an einem sicheren Stadionerlebnis. Bietet ein offener Schwarzmarkt aber jedem die Möglichkeit, Karten für Schalke-Fanblocks zu erwerben, führt dies unweigerlich zu einer Durchmischung der Anhänger verschiedener Vereine und somit zu einem erheblichen Sicherheitsrisiko.
Vor knapp zwei Wochen hat sich die Rechtslage hinsichtlich der Möglichkeiten zur Bekämpfung des Ticketschwarzmarkts massiv verschoben. Der Hamburger SV hatte gerichtlich durchsetzen wollen, dass der Online-Ticketanbieter Seatwave keine Karten für HSV-Spiele verkaufen darf, da er diesen als Schwarzmarkthändler einstuft. Das Oberlandesgericht Hamburg hat jedoch in letzter Instanz entschieden, dass der HSV hinnehmen muss, dass HSV-Tickets auf dem Schwarzmarkt angeboten und verkauft. Die Begründung der Richter: Der Hamburger SV hatte zuvor einen Vertrag mit der Ticketplattform Viagogo abgeschlossen und damit selbst eine Abkehr von der Bekämpfung des Schwarzmarktes vollzogen. (Der zugrundeliegende Rechtsgrundsatz lautet „venire contra factum proprium“ oder auf deutsch „Zuwiderhandlung gegen das eigene frühere Verhalten“).
Dieses Urteil ist entsprechend auch auf den FC Schalke 04 anwendbar. In der Vergangenheit hat der Verein den Schwarzmarkt stets mit allen erdenklichen Mitteln bekämpft. Und zwar den Schwarzmarkt „im großen Stil“ im Internet ebenso, wie den Einzelkartenverkäufer vor dem Stadion. Das Ziel war stets, die Sicherheit der Fans im Stadion zu gewährleisten. Da aber auch Schalke ab dem 1.7.2013 einen Vertrag mit der Ticketplattform Viagogo hat, sind dem Verein bei der Bekämpfung des Schwarzmarkts die Hände gebunden. Es steht zu befürchten, dass zum einen Ticketpreise explodieren, zum anderen massive Sicherheitslücken entstehen.
Der Jahreshauptversammlung ist deshalb Gelegenheit zu geben, unter diesem Eindruck der neuen Rechtslage, über die Möglichkeiten der Schwarzmarkt-Bekämpfung zu diskutieren. Im Wege einer rechtsfolgenlosen Probeabstimmung soll die Meinung der Mitgliederversammlung eingeholt werden, die dem Vorstand als bloße Empfehlung für das weitere Vorgehen mit an die Hand gegeben wird. Ob der Vorstand sich an dieser Empfehlung orientiert, bleibt ihm schließlich selbst überlassen.“

Rund 80 Prozent der Mitglieder gaben dem Antrag ihre Zustimmung; eine überwältigende Mehrheit. Aber was macht der Vorstand? Er ignoriert das klare Signal seiner Mitgliederschaft und hält am Viagogo-Deal fest. Die Frage muss schon gestellt werden: In was für einer (Vereins-)Demokratie leben wir, wenn der offensichtliche Mehrheitswunsch so niedergeschmettert wird?

Nochmal zum Kern des Problems mit Viagogo aus meiner Sicht. Es geht nicht nur darum, dass die Tickets demnächst für viele Fans teurer (und somit für viele unerschwinglich) werden. Viagogo hetzt die Fans quasi gegeneinander auf. In Zeiten voller Stadien wird an die niedrigen Instinkte der glücklichen Ticketbesitzer (Dauerkarten-Inhaber oder welche, die Losglück hatten) appelliert: Rufe Fantasiepreise auf, tausche dein Ticket gegen einen Batzen Kohle!

Auch früher hat man Tickets getauscht. Der eine oder andere hat mal einen kleinen Aufpreis für die Organisation draufgeschlagen. Unter den wahren Fans gab es aber eine Art Ehrenkodex, an den sich die meisten hielten: Kein Schwarzhandel unter Fans! Jetzt, da sich Ver- und Ankäufer nur noch online treffen, wird dieser Kodex ausgehöhlt. Für mich ist das die moderne Form von ... – das schreibe ich aus juristischen Gründen hier lieber nicht.

Ich bin kein Schalke-Fan und will das Problem nicht allein auf diesen Verein abwälzen. Aber jüngst hat Branchenprimus Bayern München, der erste Verein der in Deutschland mit Viagogo kooperierte, seinen Fehler eingesehen und lässt den Vertrag mit der Ticketbörse zum Ende der neuen Saison auslaufen. Der HSV hat seinen Vertrag gar gekündigt. Heute kann sich niemand mehr hinstellen und Viagogo als seriösen Partner verkaufen.

Die Entscheidung für die 3,6 Millionen Euro (in den drei Jahren) wird sich für Schalke 04 negativ auswirken. Das Image des Vereins nach außen und der Frieden nach innen hat durch die Diskussionen am Wochenende nicht unerheblichen Schaden genommen. Wohlgemerkt ein Verein, der sonst so stolz auf seine Arbeiterherkunft ist.

Und noch etwas: Wie aufgeheizt die Stimmung vor Ort war, zeigt dieser Videoschnipsel:


Nachtrag (05.07.2013): Das war übrigens mein bisher meistgeklickter Artikel aller Zeiten. Das liegt wohl am Thema und an der Weiterverbreitung. So hatten sowohl die Presseschau von Fokus Fußball als auch die der 11Freunde mich verlinkt. Bei ersterer wurde ich tags darauf sogar zum Besten Link des Vortages ernannt. Auch der königsblog brachte einen Hinweis. Dazu kamen Hinweise und Retweets bei Twitter. Danke an alle!

Nachtrag (07.07.2013): Nachdem die 11Freunde auf den Text aufmerksam wurden, interviewten sie Katharina Strohmeyer.

Nachtrag (09.07.2013): Alle Viagogo-Gegner konnten es heute kaum glauben: Schalke 04 löst die Verbindung zu Viagogo fristlos. Da bekam Katharina Strohmeyer auch gleich ihr zweites Interview. Was Social Media alles bewegen kann. (-:


tl;dr: Der Streit um die umstrittene Ticketplattform Viagogo eskalierte am Wochenende bei der Jahreshauptversammlung des FC Schalke 04.